Die Geschichte der Capoeira

Alles begann im Jahr 1500 als der Portugiese Pedro Álvares Cabral in Brasilien landete. Was er hier wollte? Die brasilianischen Indianer gefangen nehmen um sich mit Arbeitssklaven für den Anbau von Nutzpflanzen wie Zuckerrohr zu versorgen. Doch mit den Eingeborenen machte man schlechte Erfahrungen. Sie starben in der Gefangenschaft. Also musste eine andere Lösung her und die fand man auf der anderen Seite des Atlantik, nämlich in Afrika. Also wurden die freien Menschen dort gefangen genommen, auf Schiffe verfrachtet und auf eine unmenschliche Reise nach Brasilien geschickt. Dort wurden sie ohne Rücksicht auf ihre Familien, Kinder oder sonstiges verkauft und mussten als Sklaven Zuckerrohr und andere wertvolle Rohstoffe erwirtschaften, die in Europa zu Geld gemacht wurden. Die Sklavenunterkünfte, die Senzalas, wurden zu einem Schmelztiegel der verschiedenen afrikanischen Kulturen. Sie waren ein Ort an dem die Trauer um die verlorene Heimat und das Leid der Sklaverei etwas Neues formte. Ihre Traditionen, Gesänge, Tänze, Rhythmen, Spiele, Sprachen, Geschichten und Religionen formten sich zu einer neuen afrobrasilianischen Kultur. Doch auch etwas anderes wurde immer lauter, nämlich der Wunsch nach Freiheit und nach und nach wagten immer mehr Menschen die Flucht, sammelten sich in versteckten Dörfer geflohener Sklaven, den Quilombos. Diese lagen im Dschungel und in schwer zugänglichen Gebieten.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann dann der offene Kampf gegen die Unterdrücker, angeführt durch Männer wie Zumbi dos Palmares, dem „König“ eines der größten Quilombos. Zumindest auf dem Papier endete dann im Jahr 1888 die Sklaverei.

Doch auch wenn die Sklaverei geendet hatte, so wurde die Ausübung vieler Teile der aufrobrasilianischen Kultur weiter unterdrückt und verfolgt. Besonders die daraus entstandene Capoeira war illegal und wurde von der Obrigkeit streng bestraft. Dennoch wurde die Capoeira weiter ausgeübt, denn dadurch wurde die Geschichte der Menschen gewahrt und es war eine Möglichkeit gegen das System aufzubegehren. Also lernte man die Capoeira auf der Straße durch Zuschauen und Nachmachen. Wer jedoch dabei erwischt wurde, musste mit harten körperlichen Strafen rechnen. Dadurch wurde das Bild der Capoeira natürlich in die kriminelle Ecke gedrängt und sozusagen nur von „Verbrechern und Kriminellen“ betrieben.

Dass die Capoeira wieder erlaubt wurde, haben wir einem gewissen Manuel dos Reis Machado zu verdanken, später bekannt unter dem Namen Mestre Bimba. Auch er lernte die Capoeira auf der Straße und begann diese, trotz des Verbots, zu unterrichten. Er erschuf seinen eigenen Stil und übernahm bei dessen Entwicklung auch Einflüsse von Kampfkünsten aus dem asiatischen Raum. Es entstand eine neue, aber doch alte Kampfkunst und als der damalige President Getúlio Vargas in den späten 1930er Jahren eine Vorführung dieser Kampfkunst sah, war dieser so beeindruckt, dass er die Capoeira nach und nach erlaubte und Mestre Bimba damit die Möglichkeit gab legal und öffentlich eine Academia, eine Schule der Capoeira zu eröffnen und Schüler um sich zu sammeln.

Die Capoeira breitete sich zunehmend in Brasilien aus und in den 1950er und 1960er Jahren kam die Capoeira auch in São Paulo an und es entstand dort ein neuer Schmelztiegel der Capoeira. Viele berühmte Meister waren hier zu finden, Meister wie Mestre Suassuna, Mestre Ananias, Mestre Brasilia und Mestre Miguel zog es dorthin, Meister deren Musik wir heute noch in unseren Trainings hören und spielen. In São Paulo kamen alle zusammen die sich für die Capoeira interessierten, allerdings ging es hier noch sehr rau zu in den Rodas. Sie waren regelrecht gefährlich zu nennen. Doch nach und nach bekamen auch die Rodas hier ihre Form und unter dem Einfluss der alten Meister wurden die alten Rituale um das Spiel und die Bedeutung der Musik und der Rodas wieder mehr in den Vordergrund gestellt. Besonders durch den Einfluss von Mestre Ananias, der sich sehr um die Bewahrung der alten afrobrasilianischen Kultur und der Capoeira bemühte, nahm die Brutalität der Rodas wieder ab. Die Bateria und die Musik rückten wieder mehr in den Fokus und die Rodas wurden wieder als Ganzes wahrgenommen.

Unser Meister, Mestre Paulao, hat die Entwicklungen in São Paulo selbst erlebt. Er gründete 1995 Jahren unsere Gruppe, die Quilombolas de Luz und in unserer Gruppe sind all diese Entwicklungen und Aspekte der Capoeira enthalten: Die Traditionen, der Kampf, das Neue das sich entwickelt und natürlich auch das Besinnen auf alte Bräuche. Die Geschichte zu unserer Gruppe könnt ihr >>hier<< nachlesen.

>>Hier<< findest du ein Video zu dieser Geschichte. 

Quelle: Die Geschichte der Capoeira von Cipó Quilombola

 

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